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Kooperationen und Partner

Die Digitalisierungsprojekte werden häufig in enger Kooperation mit Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern konzipiert, beantragt und durchgeführt.

Die Digitalisierung der mathematischen Kollektion beispielsweise steht in größeren fachlichen Zusammenhängen und wird in enger Kooperation mit Prof. Dr. Bernd Wegner (TU Berlin), Editor-in-Chief des Zentralblatts für Mathematik, durchgeführt. Die Digitalisate der Werke selbst sind mit den Daten des ‚Jahrbuchs über die Fortschritte der Mathematik‘ verknüpft, das im Rahmen des Projektes in SQML erfasst und zu einer Datenbank ausgebaut wurde, die mit dem Zentralblatt der Mathematik, dem Referateorgan des Faches, gemeinsam recherchiert werden kann. Damit werden Erschließung und Bereitstellung mathematischer Literatur wesentlich verbessert, vor allem der fachwissenschaftliche Zugang entscheidend befördert.

Die Ergebnisse aus dem deutsch-amerikanischen Kooperationsprojekt „The Development of a Distributed Library of Mathematical Monographs“ erlauben erstmals die Volltextsuche in einer namhaften Anzahl mathematischer Monographien aus verteilten Repositories mit ganz unterschiedlichen Softwareplattformen über ein gemeinsames Protokoll. Die amerikanischen Partner geben Volltextzugriff auf ihr Angebot, während Göttingen über die Metadaten eingebunden ist. Die Suche im Volltext der Digitalisate ist hier bislang nur exemplarisch realisiert. Die Produktion und Einbindung weiterer Volltextmaterialien ist aber in Vorbereitung, die entsprechenden technischen Voraussetzungen für dieses Angebot sind geschaffen. Auch im Bereich der Wissenschaftsgeschichte ist die Fachcommunity in die Entwicklung des Projekts direkt eingebunden. Dadurch konnte beispielsweise eine erweiterte Zugriffsfunktionalität anhand Pierre Joseph Macquer‘s ‚Dictionnaire de Chimie‘ entwickelt werden. Das Nachschlagewerk steht sowohl in einer französischen wie auch in einer deutschen Ausgabe digital zur Verfügung, für die nun ein multilingualer Zugriff ermöglicht wird. Eine Recherche in den Lemmata der verschiedenen Ausgaben zeigt dem Benutzer in einer Trefferliste die Ergebnisse mit ihren Pendants der anderen Ausgaben; aus dieser Trefferliste heraus gelangt er auf die entsprechenden Digitalisate aller Ausgaben. Damit wird nicht nur ein Vergleich dieser Ausgaben sowie ihrer Veränderungen und Weiterentwicklungen ermöglicht, sondern auch die Erforschung der Terminologien, der Entwicklung der Fachsprache der Chemie wesentlich erleichtert.

Eine ganz enge Verbindung von Fachwissenschaft und Bibliothek, von aktueller Forschung und Bestandserhaltung ist im Projekt Early Zoological Literature Online (EZOOLO) erreicht. Es wird durchgeführt in Kooperation mit dem Institut Richtfest im Haus der Digitalen Bibliothek  für Zoologie an der Universität Göttingen, Prof. Rainer Willmann, und verfolgt mehrere Ziele. Kern des Projekts ist das Grundlagenwerk Carl von Linnés zur Systematik der Arten, in dem er die heute noch gültigen Regeln für die zoologische Nomenklatur festlegte. Nach der Image-Erfassung erfolgt eine Volltexterfassung, die im Double Keying-Verfahren mit automatischem Abgleich durchgeführt wird. Aus diesem Text werden zunächst die Artnamen extrahiert und in eine zoologische Datenbank überführt. Sie dient als Arbeitsinstrument für die aktuelle Forschung, denn auf Grund der sog. Prioritätsregel muss bei der Beschreibung einer neuen Art auf die älteren Beschreibungen und Benennungen zurückgegriffen werden. Außerdem werden die bibliographischen Angaben und Verweise Linnés erschlossen und markiert, die für ihn zentralen Werke als Image digitalisiert und mit den Angaben in der Datenbank verknüpft. Damit entsteht ein umfassendes Informationssystem zur Historischen Zoologie, das jedoch über das historische Forschungsinteresse hinaus für die heutige Science Community von entscheidender Bedeutung ist. Es ist bezeichnend für die Qualität der historischen Bestände der SUB Göttingen, dass die Literatur, auf die Linné für seine Arbeiten zurückgegriffen hat, so gut wie vollständig in Göttingen zur Verfügung steht. Darüber hinaus ergeben sich noch weitere Verknüpfungsmöglichkeiten: Die Linnéschen Grundlagenwerke wurden in der Ökonomischen Enzyklopädie von Johann Georg Krünitz sehr häufig zitiert, die zur Zeit an der Universitätsbibliothek Trier digitalisiert wird. Da auch bei diesem Vorhaben die bibliographischen Angaben ausgezeichnet werden, besteht die Möglichkeit einer direkten Verlinkung. Das Projekt Early Zoological Literature Online zeigt damit musterhaft, wie Bestandserhaltung und -erschließung, aber auch fachwissenschaftliche Forschung und interdisziplinäre Vernetzung in dezentraler und kooperativer Weise zusammengehen können und die „Verteilte Digitale Forschungsbibliothek“ verwirklichen.